Parkour für Erwachsene?

Die Eisenklinik schlägt wieder ein neues richtungsweisendes Kapitel im Bereich des körperlichen Trainings auf: Die Jugendbewegung Parkour hat das Potential mehr zu sein als eine urbane Subkultur.

Der Traceur und Sportwissenschafler Markus Luksch eröffnete mir am Rande eines gemeinsamen Sportprojektes einen genauen Einblick in die Bewegungstechniken des Parkour zu bekommen. Schnell wurde mir klar, dass die allgemeine Athletik in diesem Umfeld hervorragend weiterentwickelt werden kann. Die komplexen Reize und Bewegungsanforderungen führen bei richtig dosierter Anwendung zu multiplen Anpassungseffekten. Die urbanen Bewegungslandschaften bieten einen vielfältigen Raum für das Erlebnis des eigenen Körpers und den Spaß an Bewegung. Erwachsenen-Spielplätze oder Trainingsgeräte stehen uns durch die Parkour-Linse gesehen praktisch überall zur Verfügung (siehe Video unten).

Mit Parkour die Fitness steigern

Konsequent weitergedacht, sind Klassiker wie Klimmzüge, Liegestütze, Kniebeugen & Co nur die Bedingung (Kondition) für Elemente aus dem Parkour. Eigentlich wie beim Turnen. Daher ist Parkour aus meiner Sicht auch als „Nichtnormiertes Hindernisturnen“ zu bezeichnen. Im Parkour werden wir kaum repetitive Bewegungen benötigen, bei denen aufeinanderfolgende immergleiche Wiederholungen von Bedeutung sind. Hier erwarten uns zielorientierte Bewegungsaufgaben, die eine Fülle von koordinativen Leistungsvoraussetzungen fordern. Die freie Verfügbarkeit und die Fähigkeit zur Kopplung verschiedener Bewegungstechniken spielen dabei eine bedeutende Rolle. Das ist ein Aspekt von Parkour.

Der konditionelle Faktor Kraft stellt im Rahmen von Funktionalität oder allgemeiner Fitness also nur einen Baustein dar. Beim Parkour wird primär eine überdurchschnittliche Mittelkörperstabilisation benötigt. Starke Beine sind vor allem bei Landungen, Sprüngen, abrupten Stopps und Richtungswechseln gefragt. Die Oberkörperkraft wird besonders beim Mauer überwinden benötigt. Hier ist das Beherrschen von Klimmzügen oder Muscle-Ups eine wichtige Grundvoraussetzung. Wenig Beachtung im Bereich des Fitnesstrainings findet bisher das Training der Reaktivkraft, die als eigenständige Kraftfähigkeit nicht nur im Parkour eine besondere Bedeutung hat. Springen und Landen sind jedoch Grundfertigkeiten in vielen Sportarten. Für die Gleichgewichtsfähigkeit im Alltag ist Parkour wohl das funktionellste Training überhaupt, denn anwendungsnäher als im urbanen Umfeld kann man seine Balance nicht trainieren.

Welchen gesundheitlichen Nutzen kann Parkour haben?

Aus sportwissenschaftlicher Sicht macht die Vielseitigkeit Parkour zu einer Bewegungsform, die den populären Gesundheitssportarten vieles voraus hat. Während wir bei den Klassikern Laufen, Radfahren und dem Fitnesstraining im Studio lediglich eindimensionale und sich ständig wiederholende Bewegungsmuster vorfinden, eröffnet Parkour durch seine unnormierten Bewegungsformen eine Vielfalt an Möglichkeiten und Sinnesreizen, die über zyklische Bewegungsformen hinaus gehen.

Wir definieren an dieser Stelle den inflationären Begriff Fitness als Körperbeherrschung.

Dieser Begriff spiegelt unserer Meinung nach am besten wider, worum es bei körperlichem Training geht: die ganzheitliche motorische Entwicklung und das sammeln neuer Bewegungserfahrungen. Langfristig ermöglichen parkourtypische Bewegungen, wie Balancieren, Klettern, Aufzüge, leichte Passements eine ausgeglichene Entwicklung des Bewegungsrepertoires und aller Organsysteme. Unsere bewährten Trainingskonzepte haben auch im Parkour Gültigkeit: Unser Workshop Parkour Training für Einsteiger zeigt, wie Parkour kombiniert mit Z-Health-Methoden zum ultimative Fitness Training wird.

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Ist Parkour gefährlich?

Wie bei Allem macht die Dosis das Gift. Zu schnell, zu viel und zu unkontrolliert sind aber Fehler, die auch in anderen Sportarten gemacht werden. Diesen Grundprinzipien müssen sich auch etablierte “Gesundheitssportarten”, wie z.B das Laufen stellen, die vor diesem Hintergrund nicht weniger schädlich sind als Parkour.

Die langfristigen Auswirkungen dieser noch jungen Bewegungsfom sind allerdings weitestgehend unerforscht. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass bei gesundheitsorientierter Betrachtung v.a. größere Aufschläge bei Sprüngen oder Landungen zu vermeiden sind. Das bedeutet: Sicherheit, Nachhaltigkeit, Effizienz und die Technik in den Vordergrund zu stellen.

Warum ist Parkour Kultur?

Weil es um mehr geht als Sport. Es geht um das Miteinander, Hilfsbereitschaft, Respekt, Bescheidenheit. Das Überwinden von Hindernissen ist ein Überwinden eigener Grenzen und Ängste. Es erfordert Mut, Disziplin und eine realistische Selbstwahrnehmung. Durch das intensive Auseinandersetzen mit der Bewegungsaufgabe wird gleichzeitig Konzentrations- und Problemlösefähgikeit entwickelt. Der Leistungsgedanke wird dagegen abgelehnt. Im Parkour können somit Eigenschaften entwickelt werden, die auch im Leben von Bedeutung sind. Die Möglichkeit sich ein Stück vom normierten Vorgaben unserer Leistungsgesellschaft zu entfernen und ein Gefühl der Freiheit zu genießen, darf als psychophysicher Faktor ebenfalls in die Waagschale geworfen werden.

Parkour als Bewegungskonzept für alle

Ist Parkour nicht nur etwas für Jugendliche? Wie bereits erwähnt entstehen  Grenzen im Kopf! Wer dieses Hindernis überwindet, hat die wichtigste Parkour-Hürde gemeistert.

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