Stress erkennen und richtig handeln

Es geht nicht darum Stress zu vermeiden, sondern die eigenen Anpassungsreserven zu erhöhen. Einige Grundgedanken, keine Anleitung.

Der Begriff Stress wird heute sehr unterschiedlich verstanden. Meistens betrachten wir externe Ereignisse als die Quelle von Stress, aber tatsächlich wird Stress durch unsere individuellen emotionalen Reaktionen auf Ereignisse verursacht.

Stress bleibt in der heutigen Zeit oft unbemerkt, weil Belastungen zu einem Dauerzustand geworden sind. Sie gehören scheinbar zum modernen Lebensstil dazu. Durch das „Alles-Jetzt-Hier-und-Sofort-Prinzip“ haben sich viele Menschen auf ungesunde Weise an Stress angepasst. Man hat sich mit Stress als Normalzustand abgefunden.

Zunehmend wird unser gesellschaftliches Umfeld als Nährboden für Zivilisationskrankheiten erkannt. Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Schmerzsymptome, etc stehen oft in Zusammenhang mit Minderwertigkeitsgefühlen, Ängsten oder Depressionen. Eine Änderung des Lebensstils ist daher die Voraussetzung für nachhaltige Veränderungen. Für die meisten Menschen stellt eine Verhaltensänderung jedoch die größte Hürde dar, selbst unter lebensbedrohenden Bedingungen. Ohne professionelle Hilfe durch einen guten Lehrmeister ist der Kampf gegen die Macht der alten Gewohnheiten nur schwer zu gewinnen.

Warum wir Stress brauchen

Stress per se ist nichts Schlechtes – solange der Mensch über die notwendigen Anpassungsressourcen verfügt. Im sportlichen Training versuchen wir durch den beabsichtigten Einsatz von Stressoren spezifische Anpassungsreaktionen zu erzielen. Wenn wir alles richtig machen, kommt es zu den gewünschten positiven Anpassungen im Sinne einer Leistungssteigerung, also einer erhöhten Stressresistenz. Wenn wir den Organismus dagegen dauerhaft überlasten, sind die Resultate Leistungsmangel oder Verletzungen.

Stress kann bis zu einem gewissen Grad ein guter Motivator sein. Ohne Herausforderungen würden wir uns nicht entwickeln, nicht wachsen, neue Dinge lernen oder über unsere Grenzen und Komfortzonen hinausgehen. Aber zu viel Stress verbraucht unseren Akku und beraubt uns langfristig unserer Lebensenergie.

Es ist also nicht möglich ohne Stress zu leben. Wir können jedoch lernen, wie wir sorgsamer mit unserem Lebensenergie-Akku umgehen und und negative Auswirkungen auf den Ladezustand unseres Akkus minimieren. Die Voraussetzung für Lebenskraft und Lebensfreude ist ein mit Lebensenergie geladener Akku.

Im sportlichen Training ist es nicht anders: Regelmäßige Belastung und Erholung führt zum Erfolg, dauerhafte Überlastung führt zu Schäden. Es geht also nicht darum Stress zu vermeiden, sondern darum seine Anpassungsreserven durch dosierte Belastung und Erholung zu vergrößern.

Emotionen und Stress

Häufige Ursachen für Stress sind Arbeit, Familie, gesundheitliche Probleme, unrealistische Erwartungen, zynische und negative Einstellungen, plötzliche traumatische Ereignisse, etc. Es sind nicht aber nicht die Ereignisse oder Situationen, die den Schaden anrichten. Es ist die Art und Weise, wie du dich fühlst, die darüber entscheidet, ob du gestresst bist oder nicht.

Gefühle haben einen starken Einfluss auf den menschlichen Körper. Positive Emotionen wie Wertschätzung, Fürsorge und Liebe fühlen sich nicht nur gut an, sie fördern auch Gesundheit, Leistung und Wohlbefinden. Wenn man lernt, wie man bewusst zu einer positiven Emotion übergehen kann, ändern sich die Herzrhythmen sofort. Dies führt zu einer günstigen Kaskade neuronaler, hormoneller und biochemischer Ereignisse, die dem ganzen Körper zugute kommen.

Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht kommt

Wenn der Mensch gestresst ist, fällt der Körper aus seinem biologischen Gleichgewicht. Für kurze Zeit ist das gut und zielführend. Dauert dieser Zustand zu lange an, wird man krank. Typische negative „Stress-Emotionen“, wie Nervosität, Depression, Wut, Frustration, Langeweile, Einsamkeit, Angst oder Sorgen erhöhen die Störung im Herzrhythmus und im Nervensystem.

Positive Emotionen, wie Freude, Wertschätzung, Fürsorge und Freundlichkeit, schaffen dagegen Harmonie im Herzrhythmus und im Nervensystem. Andere Körpersysteme synchronisieren sich mit diesem Rhythmus, den die Wissenschaftler Kohärenz nennen. Kohärenz führt zu mehr geistiger Klarheit, Kreativität und besseren Problemlösungsfähigkeiten und deshalb ist es einfacher, Lösungen und bessere Wege zu finden, um mit der Stresssituation umzugehen und sich besser zu fühlen.

Was du messen kannst, das kannst du auch verändern

Wenn man das Gefühl hast unter Stress zu leiden, sind zunächst diejenigen Aspekte des Lebens zu identifizieren, die den Stress verursachen. Manchmal kann man vielleicht nichts ändern oder vermeiden, aber zu anderen Zeiten können einfache Anpassungen des Lebensstils einen spürbaren Unterschied ausmachen.

Das Erkennen der spezifischen Stressauslöser ist der erste Schritt im Prozess des Stressmanagements.

Emotionen spiegeln sich in den Änderungen des Herzrhythmus wider. Dies wird als Herzfrequenzvariabilität oder HRV bezeichnet. Die Analyse der HRV ist eine aussagekräftige, nicht-invasive Methode zur Messung der Dynamik des autonomen Nervensystems. In der aktuellen klinischen Forschung wird HRV als ein Schlüsselindikator für vermeidbaren Stress identifiziert und zeigt einen Zusammenhang mit einem breiten Spektrum von Gesundheitsproblemen.

Ein weiterer aussagekräftiger Stressparameter basiert auf der Erfassung des bioelektrischen Hirngleichstrompotentials (DC­ Potential, DC-EEG bzw. Omegawelle bis 0,5 Hertz), dessen Werte mit dem Hirnmetabolismus und der kortikalen Erregbarkeit zusammenhängen. Die DC-Potential-Methode gibt uns Einblicke in die Anpassungsprozesse, Kompensationsfähigkeiten und Anpassungsreserven des Organismus als Reaktion auf bestimmte Stressbelastungen.

Fazit

Mithilfe von Methoden, wie HRV und Gehirn-DC Potential, lassen sich Stressreaktionen messen und die Wirksamkeit von Interventionen feststellen. Diese Technologien können einen wertvollen Beitrag zur Individualisierung des Stressmanagements leisten. Ein gutes Coaching bleibt aber die Grundlage für die Schaffung einer nachhaltigen Veränderungskompetenz.