Propriozeption im Sport

Z-Health Drills greifen über drei Kanäle in die Steuerung von Bewegung ein: Den visuellen, den vestibulären und den propriozeptiven Kanal. Doch was ist eigentlich Propriozeption?

Schauen wir uns ein Bewegungsbeispiel bei einer sehr langsamen, quasistatischen Bewegung an. Unsere Fotoserie zeigt eine  Stützübung am Barren. Zielsetzung der Übung ist eine gestreckte Endosition parallel zu den Holmen einzunehmen. Die drei Fotos zeigen drei unterschiedliche Positionen aus drei unterschiedlichen Kamerawinkeln. Neben den offensichtlich unterschiedlich stark gebeugten Hüftgelenken im linken und mittleren Foto, ist zu erkennen, dass nur auf dem rechten Bild eine komplett gestreckte Position erreicht wird. Was auf dem rechten Foto durch die verschobene Kameraperspektive verdeckt wird, ist das der Athlet sich immer noch im gleichen 45 Grad Winkel zu Barren verhält, wie im linken Foto.

Wie spürt der Athlet wo sich sein Körper im Raum befindet und wie die Stellung seiner Gelenke ist? Hierfür haben wir einen 6. Sinn, der für die Eigenwahrnehmung zuständig ist.

Eigenwahrnehmung wird als Propriozeption bezeichnet.

Die Informationen, welche an das Zentrale Nervensystem (ZNS) gesendet werden, erfolgen durch Mechanorezeptoren, die u.a. besonders in den Gelenken zu finden sind. Je besser die Mechanorezeptoren Informationen zum ZNS senden, um so klarer und differenzierter ist die Eigenwahrnehmung. Die Neurowissenschaft spricht hier von sogenannten „Body Maps“. Die Neuromatrix ist beispielsweise eine solche Body Map.

rob barren

sensorische integrationRobert Schleip [2], einer der weltweit führenden Faszienforscher und Körpertherapeut, weist darauf hin, dass lange die Meinung vertreten wurde, die Propriozeption stamme hauptsächlich aus den Gelenkrezeptoren. Heute ist bekannt, dass die Anzahl der Mechanorezeptoren in den faszialen Struktuen (also im Bindegewebe) noch viel größer ist als allein in den Gelenken. Folgerichtig weist Schleip darauf hin, das die Muskulatur mit ihren Faszien unser reichhaltigstes Sinnesorgan für die Propriozeption ist.

Dennoch spielen alle anderen Extereorezeptoren (Vestibularanalysator, visueller Analysator, akustischer Analysator) wichtige Rollen bei der Entstehung von Bewegung, die wir folgendermaßen definieren:

Bewegung ist Produkt einer sensorischen Integrationsleitung des Gehirns.

Propriozeptives Training ist vor allem in der Rehabilitation durch das Balancieren auf instabilen Untergründen bekannt. Instabilitäten sollen erhöhte Anforderungen an die propriozeptive Wahrnehmung stellen, die als notwendige Voraussetzung für die effektive Ansteuerung der Muskulatur in der Kompensation von Instabilitäten betrachtet werden. Aufgrund des SAID-Prinzips ist jedoch fraglich, inwiefern Trainingseffekte auf instabilen Unterlagen eine Übertragbarkeit auf stabile Untergründe haben. Zum Anderen zeigen viele Konzepte in der Körpertherapie, dass die Verbesserungen der Körperwahrnehmung und posturalen Kontrolle gänzlich ohne das „Wackeltraining“ auskommen. Zu beachten ist bei allen Trainingsinterventionen, das Propriozeption nicht auf einzelne Körperteile bezogen werden kann, sondern im Gehirn ansässig ist und eine integrierte Sichtweise aller beteiligten Systeme Voraussetzung für die Anwendung effektiver Trainingsformen notwendig ist.

„Propriozeption und Schmerzen sind wie Öl und Wasser – das eine verdrängt das andere“. Schleip (2009)

Da die Optimierung von Bewegung nicht allein über eine bessere Informationsaufnahme durch Exterozeption und Propriozeption von statten geht, sondern ebenso durch eine bessere Verarbeitung vom ZNS, hat sich in Deutschland der Begriff des sensomotorischen Trainings (SMT) etabliert, der die Gesamtheit von Information, Verarbeitung und Ausführung beinhaltet.

smt

Eine bessere motorische Ansteuerung der Muskulatur kann nur in Folge einer Verbesserung sensorischer Informationen erfolgen. Dies wird auch deutlicher, wenn man sich einmal den Aufbau eines typischen Muskelnervs ansieht. Hier existieren dreimal so viele sensorische Nervenzellen wie motorische Nervenzellen (Schleip 2003, S.4).

Moshé Feldenkrais behauptete, „dass ein Gehirn ohne Motorfunktionen nicht denken kann, oder zumindest, dass die Kontinuität der geistigen Funktionen durch entsprechende Motorfunktionen gewährleistet wird“.

Die moderne Kognitionswissenschaft nimmt an, dass Motorfunktionen sogar die Basis für die Entstehung von Bewusstsein sein könnten. Eine faszinierende Hypothese, die im Konzept des sogenannten Embodiment dargelegt wird. Eine aktuelle Studie unterstreicht die Bdeutung der Wahrnehmung und zeigt, wie motorisches Lernen sensorische Netzwerke nach dem Prinzip der Neuroplastizität neu vernetzen kann. Es wird verdeutlicht, wie sich das Regelkreismodell von Sensorik und Motorik bis in die Hirnstrukturen zurückverfolgen lässt [1]:

Z-Health Praxis

Die o. g. Beispiele zeigen, dass Motorik und Sensorik untrennbar miteinander verbunden sind. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies:

Ohne Fühlen keine Bewegung. Besser Fühlen bedeutet besser Bewegen.

Z-Health nutzt feinmotorische Koordinationsübungen, um die Propriozeption durch Steigerung der Aktivität der Mechanorezeptoren zu verbessern. Entscheidend ist hierbei nicht, wie die Übungen von Außen aussehen, sondern wie präzise und aufmerksam sie durchgeführt werden. Bewusstes Fühlen und maximale Kontrolle sind hier die entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Z-Health bringt dabei seinen ganz eigenen Satz an speziellen Koordinationsübungen mit, um die neuromuskuläre Kontrolle einem “Update” zu unterziehen. Wird dieses Training präzise durchgeführt, kann der Athlet oft sofortige Verbesserungen von Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Körperhaltung und sogar Schmerzlinderung des Bewegungsapparates erfahren.

Das reguläre Trainingsprogramm des Sportlers wird durch Z-Health deutlich effizienter: Je besser sich der Kunde bewegen kann, umso weniger Schmerzen und Verspannungen hat er. Kraft- und Ausdauertraining haben größere Effekte, da nun Übungen auf höherem Niveau verwendet werden können. Die Grenzen von Fitness, Therapie, Gesundheit und Leistungssport sind bei Z-Health so fließend wie bei kaum einem anderen Trainingssystem. Somit ergibt sich ein sehr breites Anwendungsfeld für völlig unterschiedliche Zielgruppen.

Literatur

[1] Shahabeddin Vahdat, Mohammad Darainy, Theodore E. Milner, David J. Ostry Functionally Specific Changes in Resting-State Sensorimotor Networks after Motor Learning The Journal of Neuroscience 23 November 2011, 31(47): 16907-16915; doi: 10.1523/JNEUROSCI.2737-11.2011

[2] Schleip Robert: Fascial plasticity – a new neurobiological explanation. Journal of Bodywork and Movement Therapies 7(1):11-19 and 7(2):104-116. 2003

[3] Schleip Robert: „Faszi… was?“ 38-44 Pilates – Das Magazin No3 Juli/Oktober 2009

Schreibe einen Kommentar